Ausgangslage: Sie haben es bestimmt auch erlebt, dass sie trotz aufwändiger Korrektur von Schülerarbeiten keine echten Lernfortschritte bei manchen Lernenden sehen können. Ich habe mich gefragt: Was können wir tun, dass Lernende aus den korrigierten Hausaufgaben oder Klassenarbeiten mehr mitnehmen? 

Digitale Korrektur in einem Textdokument: z.B. Nutzen der Nachverfolgung und Kommentarfunktion in Microsoft Word 

Analoge Korrektur mit dem Rotstift

Korrektur auf dem Tablet mit Stylus:

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Best-Practice-Beispiel 1: Um meinen Englischoberstufenkurs auf den argumentativen Aufsatz in der Klausur vorzubereiten, gab ich mehrere Übungsaufsätze auf und erstellte oben gezeigte klassische Korrekturen mit Positivkorrekturen und Tipps zur Verbesserung. In den individuellen Schülergesprächen stellte sich jedoch heraus, dass einige Dinge für die Lernenden unklar blieben oder sie trotz meiner vielen Anmerkungen teilweise nicht wussten, wie sie den Aufsatz nun gewinnbringend verbessern können. So entstand mein erstes Feedbackvideo. 

Argumente für und gegen Feedbackvideos

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Ich lies den Lernenden ähnliche Feedbackvideos zu Ihrem Aufsatz zukommen und bat um ihre Rückmeldung zu dieser Form des Feedbacks. 

  • Das Videofeedback ist viel ausführlicher und damit hilfreicher als die schriftliche Korrektur. 
  • Randnotizen / Sprachkorrekturen wurden zusätzlich erläutert. Viele Lernende gaben an, dass die Korrekturzeichen und die Positivkorrektur ihnen häufig wenig weiterhalfen. 
  • Das metasprachliche Feedback wurde in den Rückmeldungen der SchülerInnen sehr geschätzt und als persönlich empfunden: „Ich habe nun verstanden, warum das eigentlich falsch ist.“ / „Ich weiß jetzt, wie ich die Fehler in Zukunft vermeiden kann.“
  • Folgende Rückmeldung kam immer wieder: „Das Feedbackvideo hat mich echt motiviert zur Korrektur.“

Aus Lehrersicht sah ich weitere Vorteile aber auch Probleme: 

  • Feedbackvideos erlauben es interaktive Aufgaben einzubauen: Ich kann die Lerner zur Selbstkorrektur bestimmter Passagen anregen und Zwischen- oder Anschlussaufgaben stellen. 
  • In einem Feedbackvideo bleibt viel mehr Raum für positive Wertschätzung, Lob und Motivation durch meine Hinweise auf gelungene Wendungen und Strukturen. Im schriftlichen Feedback kommt dies häufig zu kurz. 
  • Die Tatsache, dass die Lernenden mehr mitgenommen haben aus meiner Korrektur war auch für mich befriedigend, da die Korrekturarbeit nicht wie so oft „verpuffte“. 

Aus Lehrersicht sah ich weitere Vorteile aber auch Probleme: 

  • Die ausführliche schriftliche Korrektur und die Erstellung des Feedbackvideos waren in der Summe zu aufwendig. Einen solchen Korrekturaufwand kann ich dauerhaft leisten. 
  • Für jüngere Jahrgangsstufen stellt sich die Sprachfrage: Sollte das Feedbackvideo in der lieber in der Muttersprache vertont werden, um das Verständnis zu garantieren? 
  • Mit Worturteilen wie „excellent / good / satisfactory“ sollte man wohl vorsichtig umgehen, da sie bereits eine Gesamtnote sugggerieren. 

Mein goldener Mittelweg

Auf einen Blick ist das Ergebnis eindeutig. Es spricht sehr viel für den Einsatz von Feedbackvideos im Unterricht. Um den Arbeitsaufwand in einem sinnvollen Rahmen zu halten entwickelte ich für mich einen sinnvollen Mittelweg: 

  • Nicht jede korrigierte Schülerarbeit kann mit einem Feedbackvideo aufgewertet werden. 
  • Bei einem Feedbackvideo können die schriftlichen Anmerkungen (Röteln) minimiert werden, da sie in der Vertonung ohnehin erläutert werden. So werden der zusätzliche Zeitaufwand des Drehs und die Zeitersparnis durch geringere schriftliche Anmerkungen in etwa ausgeglichen. 

Klassische Korrektur

Anmerkungen fürs Feedbackvideo

Praktische Tipps für die Produktion von Feedbackvideos

Option 1: Einfache Vertonung mit Smartphone und Bücherstapel 🙂

Option 2: Produktion mit einem Bildschirmrecorder

Für die Bildschirmaufnahme benötigen Sie ein Bild des annotierten Textes oder des annotierten Textdokuments auf dem PC / Tablet. Für die Vertonung eines Feedbackvideos empfehle ich Ihnen das Tool Screencast-O-Matic, da es in der kostenlosen Basisversion minimalistisch und sehr benutzerfreundlich ist. 

Schritt 1:
Fotografieren Sie die annotierte Schülerarbeit mit ihrem Tablet / Smartphone. Übertragen Sie ggf. das Bild auf Ihren Laptop / PC. 

Noch besser: Sie annotieren das Dokument elektronisch (z.B. mit der Funktion der Nachverfolgung und Kommentarfunktion in Word, vgl. Schülerkorrektur oben).

 

Schritt 2: 

Öffnen Sie die Webseite und installieren die kleine Anwendungsdatei. 

Passen Sie durch Ziehen des Rahmens den zu filmenden Bildschirmausschnitt an.

Entscheiden Sie, ob Sie die Webcam dauerhaft  zuschalten möchten oder nicht.

Schritt 3: 

Wenn Sie Ihre Aufnahme beendet haben, können Sie das Video ganz einfach als MP4-Datei auf Ihren Rechner exportieren. Die Exportierfunktion heißt bei Screencast-o-Matic „Veröffentlichen“.  

Schicken das fertige Video an Ihren Schüler / Ihre Schülerin. 

Tipp: Sie können das Feedbackvideo jederzeit während des Aufnehmens pausieren, um:

  • die zweite Seite der Schülerarbeit auf dem Bildschirm vorzubereiten und den Bildschirmausschnitt anzupassen
  • zu überlegen, welche Korrekturtipps Sie noch geben möchten. 

Höchst Hilfreich und wenig aufwendig: Audiofeedback

Ausgangslage: Jedem Lernenden ein ausführliches Feedback zu Hausaufgaben und Zwischenergebnissen zu geben kann sehr zeitaufwendig sein. Die Vertonung als Audiodatei durch die Lehrkraft ist wenig aufwendig und kann Abhilfe schaffen. 

Best-Practice-Beispiel: In meiner 5. Klasse trainierten wird das laute Lesen zur Ausspracheschulung. Ich wollte jedem Lernenden eine Rückmeldung geben zu seiner / ihrer Leseleistung, bevor ich Lesenoten vergab. Ein Audiofeedback war die perfekte Lösung! Jede/r Lernende nahm den Lektionstext als Audio auf und ich gab ein individuelles Audiofeedback. 

Diktierfunktion jedes Smartphones

Für IOS bietet sich die Nutzung der Sprachmemos-App an. Die App erlaubt das Pausieren der Aufnahme, die Option des Videoschnitts und das Versenden per Mail. 

Sprachrecorder des PCs

Onlinesprachrecorder wie z.B. Vocaroo

Ähnliche Funktionen in der kostenlosen Basisversion bietet das Tool QWIQR.

Die Onlinesprachrecorder Vocaroo und QWIQR

Vocaroo

Die Aufnahme mit Vocaroo ist spielend leicht. Drücken Sie auf den Aufnahmebutton zu Beginn und am Ende der Aufnahme.  

Die Vocaroo-Aufzeichnung kann als Link oder QR-Code geteilt oder als Audiodatei heruntergeladen werden. 

Praktisch: Leiten Sie nur den Link an den Lernenden weiter anstatt die Datei herunterzuladen und zu versenden.

Best-Practice-Beispiel 2: Feedbackaudio zum argumentativen Aufsatz in der 11. Klasse (Thema: British Royalty). Der Schüler tat sich schwer mit der Struktur und Inhalt der Einleitung. Das Feedbackaudio enthält konkrete Tipps zur Verbesserung der Einleitung seines Aufsatzes. 

QWIQR

Mit dem Tool QWIQR kann man sein Feedback noch mit Zusatzmaterialien ergänzen. Schicken Sie Ihren Lernenden ein Bild, eine Datei der einen Link mit, der Ihr Feedback zusätzlich erläutert! 

Einsatzmöglichkeiten von Feedbackaudios

Einsatzmöglichkeiten
für Lehrkräfte:

  • kurze Rückmeldungen an Lernende
  • Rückmeldung zum lauten Lesen: Verbesserung von Aussprachefehlern und Aussprachetipps
  • Impulse und Ideen für die Überarbeitung eines Aufsatzes (z.B. argumentativer Aufsatz, kreatives Schreiben, Verfassen von Gedichten, …)
  • Verbesserungstipps für das Handout für die Präsentation

Einsatzmöglichkeiten für Lehrkräfte:

  • Abgabe von gesprochenen Hausübungen
    • Aufzeichnung des Lektionstextes / Gedichts / Theaterstücks / …
    • Bildbeschreibung
    • mündlicher Kommentar
    • Monolog
  • kurze Rückmeldung zu den Resultaten einer gemeinsamen Gruppenarbeit

Welche Erfahrungen haben Sie mit Feedbackvideos und -audios gesammelt? Für welche Unterrichtszenarien setzen Sie die Formate ein? Teilen Sie gerne Erfahrungen und Tipps im Kommentar. 

Beitrag verfasst von: Verena Plomer

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