Das Potential von Erklärvideos für den Unterricht

https://pxhere.com/de/photo/1358892

Lassen Sie Ihre Lernende selbst Erklärvideos produzieren und schulen Sie dabei eine Vielzahl an Kompetenzen: 

  • intensive Einarbeitung und Auseinandersetzung mit dem Thema:
    Die Aufgabe, ein Erklärvideo zu erstellen folgt einem konstruktivistischem Ansatz, da die Lernenden Wissen selbst erschließen und selbst ordnen.  
  • Schulung diverser Kompetenzen gleichzeitig (Scheiben, Sprechen, Lesen, …)
  • Schulung der Medienkompetenz
  • kreatives Lernen 
  • Lehren durch Lehren 

Ihre Lernenden nutzen wahrscheinlich täglich rezeptiv Erklärvideos auf YouTube und sind mit den unterschiedlichen Formaten des Genres bestens vertraut: 

Explainity-Video / Erklärvideo im Legetrick-Stil

©Lisette Scheuring

Flache Figuren, Bilder oder Objekte werden vor einem neutralen Hintergrund bewegt und animiert. Dabei kommentiert eine Overvoice-Stimme (Stimme aus dem Off). Um das Video aufzupeppen, werden häufig Soundeffekte oder Musik eingesetzt. 

Dieser Stil eignet sich besonders für die Erläuterung von Sachverhalten, Strukturen oder Vorgängen. 

Videotutorial / How-to-Video

https://www.youtube.com/watch?v=hJTy_8Dtbsc

In How-to-Videos werden Handlungsschritte und Vorgänge eins zu eins vorgemacht, sodass der Betrachter sie nachahmen kann (z.B. Kaffee kochen, Schminken, Pflanzen zurechteschneiden, etc.). 

Dieser Stil eignet sich besonders für Vorgangsbeschreibungen (Imperativformen, Modalverben, Konjunktionen, …)

Vlogging (Vortrag)

https://www.youtube.com/watch?v=Y1N65upEGSg

Vlogging bedeutet Blogging im Rahmen eines Videos. Ein Vlogger spricht direkt zu seinem Publikum und ist meist spezialisiert in einem bestimmten Themenfeld. Persönlichkeit und Charisma des Vloggers / der Vloggerin spielen dementsprechend eine große Rolle. 

Stop-Motion-Technik (Trickfilm)

Nach dem Modell eines Daumenkinos werden schnell hintereinander Einzelbildaufnahmen gezeigt, sodass ein bewegtes Video entsteht. 
Bei der Erstellung werden die Gegenstände nach jedem Foto ein Stück bewegt und anschließend das nächste Foto gemacht. Mehr zur StopMotionTechnik finden Sie hier

Dieser Stil eignet sich besonders für das Animieren von Geschichten und Literatur.

Screencast-Technik

In How-to-Videos werden Handlungsschritte und Vorgänge eins zu eins vorgemacht, sodass der Betrachter sie nachahmen kann (z.B. Kaffee kochen, Schminken, Pflanzen zurechteschneiden, etc.). 

Dieser Stil eignet sich besonders für Softwareerklärungen und Erklärvideos für Lernende. Screencasts können aber auch in der Finalisierung von Erklärfilmen von Lernenden genutzt werden (z.B. Dreh des Erklärfilms auf Basis von Fotos, Storyboards, Powerpointpräsentationen, …).
Die Lernenden sprechen die Overvoice zum Video ein, Sie als Lehrkraft übernehmen die Technik / Aufnahme. Dieses Modell hat sich vor allem in der Unterstufe für mich bewährt. 

Alle drei Formate eignen sich für den Einsatz im Unterricht. Erklärvideos im Legetrick-Stil und Tutorials haben den Vorteil, dass die Lernende nicht vor der Kamera auftreten: Somit können Sie sich ganz auf die Modulation und Artikulation der Stimme konzentrieren und Sie als Lehrkraft müssen nicht mit den Erziehungsberechtigten klären, ob Ihr Sprössling vor der Kamera auftreten darf. 

Best-Practice Beispiel 1: Lernende produzieren selbst Explainity-Videos

Französisch, Klasse 10: Die Lernenden drehen ein Erklärvideo über die neuen Technologien im Internet. 

Crée une courte vidéo explicative (1-2 minutes) pour expliquer un mot lié aux technologies utilisées par la génération Z. La génération Z se réfère aux jeunes nés après les années 1997 pour qui le numérique est une réalité quotidienne.

Zunächst verfassen die Lernenden ein Skript für ihren Erklärfilm, das dann von der Lehrkraft sprachlich korrigiert wird. Schließlich soll vermieden werden, dass später Sprachfehler auf Band gesprochen werden. Das Skript kann wie folgt strukturiert werden: Titel, (Einleitung), Hauptteil, Schlussteil. 

Variante A: Umsetzung mit Microsoft Powerpoint

Ihre Lernenden gestalten zunächst Folien mit passenden Cliparts / Illustrationen und Sprechblasen. Die Präsentation kann in einem zweiten Schritt aufgezeichnet werden: Bei der Aufzeichnung werden die Overvoice-Tonspuren beim Durchklicken der Folien aufgesprochen.   

Vidéo explicative par Raja Vögerl, Klasse 10: 

Um Sie und Ihre Lernenden bei der Durchführung zu unterstützen, teile ich unter diesem Downloadlink eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für die Vertonung mit Microsoft Powerpoint. Viel Spaß damit!  

Variante B: Umsetzung mit dem Tool MySimpleShow

Die Nutzung von Online-Tools kann die Gestaltung der Storyboards und die Vertonung des Trailers deutlich erleichtern. Besonders günstig ist es, wenn die Vertonung direkt in einem webbasierten E-Tool erfolgen kann. Die Webseite https://www.mysimpleshow.com bietet diese Möglichkeit. 

Vidéo explicative de Lisette Scheuring, Klasse 10d:

Skript für den Dreh des Explainity-Videos:

© Raja Vögerl

Tipps für gute Explainity-Videos: 

  • Vermeidet Störgeräsche oder Ruckeln. 
  • Verwendete einfache und eindeutige Illustrationen und Symbole. 
  • Strukturiert euer Skript klar und behaltet den Fokus auf euer Thema / eure Kernaussage. 
  • Achtet darauf, dass Bild und Ton nicht zu weit voneinander entfernt sind. Das Bild sollte das Gesprochene visuell untermauern. 
  • Moduliert und intoniert eure Stimme für einen anschaulichen Vortrag.  

Um MySimpleShow als Lehrkraft kostenlos nutzen zu können, müssen Sie sich als Lehrkraft registrieren und die Option „Classroom“ wählen. Rufen Sie hierzu auf der Startseite den Reiter „Preise“ auf, wählen Sie den Bildungsbereich (weiter unten neben den Icons „Spaß“ und  „Unternehmen“. Mysimpleshow fordert dann eine Bestätigung Ihrer Schule über die Schulzugehörigkeit per E-Mail ein. 

Mit diesem Tutorial erfahren Sie, wie Sie ein virtuelles Klassenzimmer auf MySimpleShow (ein Team) anlegen können und Ihre Lernenden einladen können. Sie erfahren auch ausführlich, welche Eingriffsmöglichkeiten Sie als Lehrkraft haben. 

Tipp: Zeigen Sie Ihrer Klasse die technische Umsetzung in einer kurzen Live-Demonstration im Klassenzimmer oder drehen Sie einen kurzes Screencastvideo. Für die Demonstration der Umsetzung mit Powerpoint können Sie auch mein Screencast-Video nutzen. 

Best-Practice Beispiel 2: Lernende produzieren selbst appellative How-to-Videos

Englisch 5. Klasse: Am Ende der Lektüre von Ada Twist, während der wir uns viel mit dem Thema Umweltschutz und Nachhaltigkeit beschäftigt haben, vertonen meine Lernenden sechs Tipps gegen den Plastikkonsum in einem appellativen Werbetrailer. 

© Julia Rempel, Klasse 5

© Wilhelm, Klasse 5

Tipps für gute How to-Videos: 

  • Vermeidet Störgeräsche oder Ruckeln. 
  • Achtet auf euer Tempo: Sprecht oder zeigt die Arbeitsschritte nicht zu schnell. 
  • Ein gutes How-to-Video ist kurz und bündig. Vermeidet überflüssige Erläuterungen. 
  • Das Gezeigte allein sollte schon verständlich die Handlungsschritte zeigen. Die Sprache ist nur zur Untermauerung des bildlich Gesagten. 

Technisch umgesetzt wurde die Erstellung der Storyboards mit dem Tool MyStoryboardThat. Die Vertonung erfolgte dann im Rahmen einer Videokonferenz mit dem Screencast-Tool OBS. 

Die im Best-Practice Beispiel 2 vorgestellten Erklärvideos sind selbstverständlich deutlich einfacher in der Produktion, sodass die Erstellung der Storyboards problemlos eigenständig von den Lernenden im Rahmen der Hausaufgabe / in einer Phase des eigenständigen Arbeitens im Computerraum abgeschlossen werden kann. 

Für die Vertonung empfiehlt es sich, jüngere SchülerInnen technisch zu unterstützen, sodass sie sich bei der Aufnahme ganz auf die Artikulation und Modulation der Stimme konzentrieren können. 

Wenn Sie sich für die Aufnahme der Videos mit dem Screencasttool OBS interessieren folgen Sie diesem Link .